„Ich war 50 und hatte seit vier Jahren keine Frau mehr im Bett gehabt. Es ergab sich einfach nichts mit Frauen.“(Seite 1), so beginnt der Roman Das Liebesleben der Hyäne von Charles Bukowksi. Damit ist gleich zu Beginn eindeutig, um was sich die Handlung dreht - Frauen und Sex. Die beiden Themen lassen die Romanfigur Henry Chinaski nicht mehr los. Sein Leben wird vom weiblichen Geschlecht bestimmt und von dem Versuch, eine dauerhafte Beziehung aufzubauen. Wichtiger als Frauen ist Chinaski nur der Alkohol. Ansonsten führt er ein überschaubares Leben in einem armen Viertel von Los Angeles, welches nur durch seine Lesungen unterbrochen wird, die Chinsaki verabscheut, aber abhält, um als Schriftsteller seine Miete bezahlen zu können. Dem Leser kommt schnell der Verdacht, dass die Romanfigur in einem immer währenden Zwiespalt lebt.
Die frühen Jahre des Charles Bukowski
Geboren wurde der Autor unter dem Namen Heinrich Karl Bukowski am 16. August 1920 im rheinischen Andernach. Seinen Geburtsort verließen die Eltern bereits als er 3 Jahre alt war und gingen in die Heimatstadt des Vaters: Los Angeles. Sein Vater war ein Besatzungssoldat polnischer Herkunft gewesen, die Mutter eine Deutsche mit Namen Katharina Fett. Seine Kindheit und Jugend verlief schwierig. Die Familie musste in Kalifornien in armen Verhältnissen leben. Der Vater war verschrien als Alkoholiker und Weiberheld. Außerdem schlug er Charles Bukowski und als wenn alles nicht schlimm genug gewesen wäre, bekam er in der Pubertät so schlimm Akne, dass er ein Jahr von der Schule befreit wurde.
Charles Bukowski als junger Mann
Sein Journalismus-Studium am Los Angeles City College schmiss er und führte stattdessen ein Leben als Vagabund. Sein Weg führte ihn u.a. nach New York, Chicago, Miami und New Orleans. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mehr schlecht als recht durch Gelegenheitsjobs. Erst 1947 kehrte Bukowski zurück nach Los Angeles und verließ Kalifornien bis zu seinem Tod nicht mehr. Bis in die 50er Jahre hatte er zwei festere Beziehungen, die scheiterten. Viele Jahre arbeitete er mit einer Unterbrechung bei der Post. Seine Erfahrungen verarbeitete er in Der Mann mit der Ledertasche. 1962 starb seine frühere Partnerin Jane Cooney Baker an übermäßigem Alkoholkonsum.
Erste Erfolge des Schriftstellers Charles Bukowski
Als Schriftsteller konnte Bukowski erste Erfolge erzielen. 1962 brachte The Outsider -eine Literaturzeitschrift- eine Sonderausgabe über hin heraus und ein Jahr später veröffentlichten die Verleger von The Outsider auch seinen Gedichtsband It catches my heart in its hand. Zudem schrieb er wöchentliche Kolumnen für die Zeitung Open City, die er später teilweise für sein Buch Notes of a dirty old man verwendete. 1964 kam seine Tochter Marina Louise Bukowski zur Welt. Mit der Mutter des Kindes blieb er nicht zusammen. 1970 war das entscheidende Jahr für Bukowski: Er konzentrierte sich nur noch auf das Schreiben.
Die späten Jahre des Charles Bukowski
Ab 1970 lebte er mit der Bildhauerin Linda King in wilder Ehe. Ständige Streitereien gestalteten die Beziehung schwierig. Seine Erfahrungen gingen in den Roman Das Liebesleben der Hyäne ein. Linda Lee Beighle wurde 1978 seine Lebenspartnerin und blieb es bis zum Lebensende. 1985 heiratete das Paar und wohnte in einem Haus in San Pedro. Mit 73 Jahren verstarb Bukowski am 09. März 1994 an Leukämie. Auf seinem Grabstein steht unter seinem Spitznamen Hank geschrieben: "Don't try". In einem Interview für DaRK PaRTY gab Linda King an, es bedeute: „Versuch erst gar nicht, besser zu sein.“ oder auch „Wenn du schreibst, versuche es nicht, lass es fließen.“
Fiktion und Realität im Roman Das Liebesleben der Hyäne
Wir erinnern uns: Protagonist Chinaski hatte seit vier Jahren keine Frau mehr im Bett. Kaum ist die Bemerkung gefallen, trifft er eine attraktive Bekannte wieder – die Bildhauerin Lydia Vance. Diese Frau ist keine zufällig gewählte Romanfigur. Alle Erzählungen von Bukowski sind halb-biographisch. Wie bereits erwähnt, verarbeitete er hier die Erfahrungen mit Linda King. Chinaski ist sozusagen Alter Ego von Bukowski. Bei manchen erzählerischen Details bleibt offen, ob Bukowski dies erlebt oder nur erfunden hat. Dichtung und Wahrheit liegen nah beieinander. Chinaski gibt sich als furchtloses Raubein, der menschliche Gesellschaft nicht braucht und sich körperliche Nähe nimmt, wenn sie im geboten wird. Der Leser erfährt nur selten, dass hinter der harten Schale und dem sarkastischen Ton ein sensibler Mann steckt.
Chinaskis Beziehungen in Das Liebesleben der Hyäne
Die Frauenherzen fliegen Chinaski nur so zu, obwohl der Eingangssatz anfänglich ein anderes Bild geliefert hat. So offenbart sich auch gleich sein innerlicher Zwiespalt. Nähe von Menschen sucht er nicht. Frauen sah er sogar „mit einem Gefühl von Vergeblichkeit“(Seite 1) an. Sein Sexualtrieb ist aber stark ausgeprägt und im fortlaufenden Roman lebt er ihn auch ergiebig aus. Chinaski behandelt die Frauen nicht schlecht und sein Wille zu einer festen Beziehung ist immer gegenwärtig. Dennoch kann er keine aufbauen.
Chinaski über Frauen aus Das Liebesleben der Hyäne
Sein Verhältnis zu Frauen schildert er so: „Frauen, die etwas taugten, machten mir angst, weil sie irgendwann etwas von meiner Seele wollten. … Also hielt ich mich an Flittchen und Prostituierte, … Doch gleichzeitig sehnte ich mich nach einer Frau, die ich lieben konnte; mochte ich auch noch so viel dafür geben müssen. So oder so – es war hoffnungslos.“ (Seite 94) Chinaski verspürt, dass sein eigenwilliger Charakter ein normales Liebesleben schwierig macht und er sich nicht völlig öffnen kann. In der Tat stürzt er sich immer wieder in komplizierte Beziehungen, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt zu sein scheinen. Weder den verruchten noch den liebenswürdigen Frauen wird er gerecht. Sein Wunsch nach einer festen Partnerschaft steht im Widerspruch zu seinem Leben als Alkoholiker und sarkastischer Schriftsteller. Sein zwiespältiges Verhältnis zu Frauen kann Chinaski bis zum Ende des Romans nicht auflösen.
Für die Serie Californication war Chinaski übrigens Vorbild für den Charakter von Hank Moody, der von David Duchovny gemimt wird.
Alle Zitate aus: Charles Bukowski - Das Liebesleben der Hyäne KiWi 2004, 357 Seiten, 9,90 €, ISB N 3-462-03429-4
